"Trum aus Licht und Erinnerung" 1250 Jahre Vilshofen
Lichtkunst an der Stadtpfarrkirche St. Johannes – 1250 Jahre Vilshofe
Im Rahmen des Jubiläums 1250 Jahre Ersterwähnung Vilshofen (776–2026) wird die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer im März zur eindrucksvollen Bühne einer besonderen Lichtkunstinstallation von Andreas Juergens. Als geistiges Zentrum der Altstadt steht die Kirche sinnbildlich für Glauben, Geschichte und Neubeginn.
Leuchtende Linien zeichnen die Fassade nach und lassen Architektur, Fensterachsen und markante Strukturen neu hervortreten. Das Licht folgt den Formen, tastet sich über Gesimse und Konturen und verwandelt sich schließlich in Ziffern – Vergangenheit wird sichtbar, Geschichte wird erlebbar.
Plötzlich regnet es Sterne: Glitzernde Punkte fallen herab, lösen sich wieder auf und erinnern symbolisch an die vielen Seelen der Generationen, die Vilshofen geprägt haben.
Im Mittelpunkt erscheint die Jahreszahl 1794 – das Jahr des verheerenden Stadtbrandes von Vilshofen. Die Lichtprojektion erinnert an die Zerstörung von Kirche und Stadt und zugleich an den kraftvollen Wiederaufbau. Sie macht deutlich: Aus Asche und Leid entstand das heutige Vilshofen.
Diese Lichtkunst verbindet Architektur, Stadtgeschichte und Emotion zu einem Erlebnis im öffentlichen Raum – ein weiterer Baustein im ganzjährigen Projekt zur Stadtgeschichte von Vilshofen an der Donau.
Historische Hintergründe - Der Stadtbrand von 1794
Als Vilshofen in Flammen stand
Es begann wie ein gewöhnlicher Abend. Niemand konnte ahnen, dass diese Nacht die Geschichte Vilshofens für immer verändern würde.
Irgendwo in der dicht bebauten Stadt brach Feuer aus. Die Häuser standen eng beieinander, Dachstühle aus trockenem Holz, Scheunen voller Vorräte. Der Wind tat sein Übriges. Was zunächst beherrschbar schien, verwandelte sich in ein Inferno, das sich rasend schnell durch die Gassen fraß.
Funkenregen trieb über die Dächer, Menschen rannten um ihr Leben. Habseligkeiten wurden aus den Häusern geschleppt, Vieh durch brennende Straßen getrieben. Eimerketten bildeten sich, doch gegen die Wucht der Flammen waren sie nahezu machtlos. Bald stand ein großer Teil der Stadt in Brand.
Auch die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde schwer beschädigt. Dächer stürzten ein, Glocken schmolzen in der Hitze. Für viele war dies der schmerzlichste Verlust — denn die Kirche war mehr als ein Bauwerk. Sie war geistiges Zentrum und Identität der Stadt.
Überliefert ist, dass Menschen versuchten, wertvolle Gegenstände zu retten, manche warfen ihre Besitztümer sogar in die Donau, um sie vor den Flammen zu schützen. Vieles ging verloren. Als das Feuer schließlich erlosch, lag Vilshofen in weiten Teilen in Asche.
Doch genau hier begann die eigentliche Geschichte.
Der Brand von 1794 wurde zum Wendepunkt. Beim Wiederaufbau setzte man auf massivere Bauweisen, mehr Stein, bessere Vorsorge. Die Stadt wurde nicht nur repariert — sie wurde neu gestaltet. Das heutige Erscheinungsbild der Altstadt ist in weiten Teilen ein Ergebnis dieses Neubeginns.
Besonders symbolträchtig war der Wiederaufbau der Kirche. Ihr Turm erhob sich erneut über die Dächer — als sichtbares Zeichen von Hoffnung und Zusammenhalt.
Aus Zerstörung wuchs Gemeinschaft. Hilfe kam aus der Region, Bürger unterstützten einander. Der Brand prägte das Selbstverständnis der Stadt nachhaltig: Vilshofen ging in Flammen unter — und erhob sich neu aus der Asche.
Bis heute erinnert das Jahr 1794 daran, dass Krisen nicht das Ende bedeuten müssen, sondern der Anfang eines neuen Kapitels sein können.