"Geteiltes Blatt – Vereint im Licht" 1250 Jahre Vilshofen
Lichtkunst im Ginkgopark Vilshofen als Erinnerung an 1989
Danke für den Zuspruch und das viele Lob, Toll das so viele meine Lichtkunst begeistert haben. Über eine Bewertung auf Google würde ich mich sehr freuen.
Hier der Link zur Bewertung: g.page/r/CT-CQWI0j8BREBE/review
Im Mai verwandelt sich das Ginkgowäldchen im Ginkgopark Vilshofen in einen poetischen Erinnerungsraum aus Licht, Natur und Geschichte. Die Lichtkunstinstallation „Geteiltes Blatt – Vereint im Licht“ von Andreas Juergens nimmt Bezug auf eines der bewegendsten Kapitel der jüngeren Vilshofener Stadtgeschichte: die Ankunft zahlreicher DDR-Flüchtlinge im Jahr 1989.
Zwischen den frischen Blättern des Ginkgohains beginnen abertausende feine Lichtpunkte zu funkeln. Wie ein Ozean aus goldenen Funken legen sie sich auf Blätter, Äste und Zweige. Die filigranen Strukturen der Bäume treten hervor, als würden sie für einen Moment von innen heraus leuchten. Das Geäst erscheint wie ein lebendiges Geflecht aus Energie, Erinnerung und Bewegung.
Zwei breite, zarte Ebenen aus Licht schweben durch den Wald. Sie schneiden durch das Geäst, tauchen einzelne Bereiche der Bäume in Helligkeit und lassen andere wieder in der Dunkelheit verschwinden. So entsteht ein Bild, das an das geteilte Blatt des Ginkgos erinnert – und zugleich an ein geteiltes Land, an Grenzen, Trennung und den langen Weg zur Wiedervereinigung.
Der Ginkgo wird in dieser Installation zum Symbol. Sein Blatt ist oft zweigeteilt und doch eine Einheit. Genau darin liegt die Kraft des Bildes: Was getrennt erscheint, kann zusammengehören. Was auseinandergerissen wurde, kann wieder Verbindung finden. In diesem Spannungsfeld aus Trennung und Vereinigung entfaltet sich die stille Botschaft der Lichtkunst.
Im Zentrum steht die Jahreszahl 1989. Sie erscheint auf einem der großen Bäume der Jahresbaumallee – jedoch nur aus einer bestimmten Sichtachse klar erkennbar. Wer seinen Standort verändert, sieht keine eindeutige Zahl mehr, sondern nur noch eine leuchtende Wolke aus Punkten und Linien. Die Installation erinnert damit daran, dass Geschichte immer auch eine Frage der Perspektive ist.
Manche Ereignisse werden erst aus der richtigen Entfernung verständlich. Andere bleiben im Gedächtnis als Gefühl, als Lichtspur, als Ahnung eines großen Umbruchs.
Die Lichtpunkte stehen sinnbildlich für Menschen. Für Familien, Kinder, Mütter, Väter, junge Erwachsene, die 1989 aus der DDR aufbrachen, ohne zu wissen, was sie am Ende ihres Weges erwarten würde. Jeder Lichtpunkt kann als Erinnerung an eine einzelne Geschichte gelesen werden – an Angst und Hoffnung, an Abschied und Neubeginn, an den Mut, eine Grenze zu überschreiten.
So wird der Ginkgopark zu einem Ort des stillen Gedenkens. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern poetisch und sinnlich erfahrbar. Die Besucherinnen und Besucher treten nicht nur vor ein Kunstwerk, sondern hinein in einen Raum aus Licht, Erinnerung und Geschichte.
Impressionen der Lichtkunst im Ginkgopak Vilshofen verbindet Natur mit historische Ereignisse.
Historische Hintergründe - zur Lichtkunst im Ginkgopark.
Vilshofen 1989 – als die Weltgeschichte an der Donau ankam
Die Lichtkunstinstallation erinnert an die dramatischen Ereignisse des Jahres 1989. Lange bevor am 9. November die Berliner Mauer fiel, hatte sich in Mittel- und Osteuropa bereits eine Bewegung aufgebaut, die nicht mehr aufzuhalten war. Tausende Menschen aus der DDR suchten im Sommer 1989 einen Weg in die Freiheit. Viele reisten zunächst nach Ungarn, offiziell als Urlauber, tatsächlich aber mit der Hoffnung, von dort aus in den Westen zu gelangen.
Ungarn spielte dabei eine entscheidende Rolle. Am 27. Juni 1989 durchschnitten der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Amtskollege Alois Mock symbolisch den Grenzzaun zwischen Ungarn und Österreich. Am 19. August 1989 nutzten rund 600 DDR-Bürger das Paneuropäische Picknick bei Sopron zur Flucht in den Westen. Diese Ereignisse wurden zu einem sichtbaren Riss im Eisernen Vorhang.
Für viele DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger wurde Ungarn im Sommer 1989 zum Ort der Hoffnung. Familien warteten auf Campingplätzen, in Ferienwohnungen, in Botschaftsnähe oder an der Grenze. Gerüchte verbreiteten sich schnell: Vielleicht würde sich ein Durchlass öffnen. Vielleicht gäbe es eine Chance. Vielleicht wäre diesmal der Weg nicht versperrt.
Die SED-Führung in der DDR versuchte die wachsende Fluchtbewegung lange herunterzuspielen. Doch allein im Juli und August 1989 verließen mehr als 50.000 Menschen die DDR. Viele taten dies unter großer persönlicher Unsicherheit: Sie ließen Wohnungen, Arbeit, Freunde und Verwandte zurück. Manche wussten nicht, ob sie jemals wieder in ihre Heimatorte zurückkehren könnten.
Am 10. September 1989 öffnete Ungarn schließlich offiziell die Grenze für DDR-Bürger. Wenige Stunden später erreichten die ersten Flüchtlinge westdeutsches Gebiet. Am Morgen des 11. September 1989 kamen viele von ihnen im Passauer Land an – erschöpft, übernächtigt, aber voller Erleichterung. Für sie bedeutete dieser Moment nicht nur eine geografische Ankunft, sondern den ersten Atemzug in Freiheit.
Das Erstaufnahmelager in Vilshofen
Vilshofen wurde in diesen Tagen zu einem wichtigen Ort der deutschen Geschichte. Auf dem Berger-Parkplatz entstand ein großes Erstaufnahmelager. Es wurde das größte Lager dieser Art in Niederbayern. Etwa 1.400 Menschen kamen nach Vilshofen und fanden dort zunächst Schutz, Versorgung und Orientierung.
Für die Stadt war dies eine außergewöhnliche Situation. Innerhalb kürzester Zeit mussten Unterkünfte, Verpflegung, medizinische Betreuung, Registrierung und Betreuung organisiert werden. Menschen kamen mit Koffern, Taschen, wenigen persönlichen Dingen – und mit einer Geschichte, die oft noch gar nicht erzählt werden konnte. Viele hatten gerade erst Tage und Nächte voller Anspannung hinter sich.
Besonders eindrucksvoll ist die Rolle der Verantwortlichen vor Ort. In Vilshofen gab Hans Gschwendtner, damals Zweiter Bürgermeister und Urlaubsvertretung des Bürgermeisters, grünes Licht für die Einrichtung des Lagers. Damit wurde eine schnelle und menschliche Entscheidung getroffen – in einer Situation, in der niemand genau wissen konnte, wie viele Menschen noch kommen würden und wie sich die politische Lage weiterentwickeln würde.
Was heute historisch geordnet erscheint, war damals ein Moment großer Ungewissheit. Busse kamen an. Menschen stiegen aus. Manche weinten. Andere konnten kaum glauben, dass sie tatsächlich angekommen waren. Für viele war Vilshofen nicht nur eine Station, sondern der erste konkrete Ort der Freiheit.
Menschen, die blieben – und Vilshofen mitprägten
Ein Teil der DDR-Flüchtlinge zog später weiter. Andere blieben in der Region, fanden Arbeit, Wohnungen, Freunde und eine neue Heimat. Dadurch wurde die Geschichte von 1989 nicht nur ein kurzer historischer Moment, sondern Teil der Stadtgesellschaft.
Gerade darin liegt die besondere Bedeutung von Vilshofen. Die Stadt war nicht nur Durchgangsort, sondern Ankunftsort. Menschen, die zunächst als Flüchtlinge kamen, wurden Nachbarn, Kolleginnen, Vereinsmitglieder, Eltern, Freunde und Mitbürger. Die große Geschichte der deutschen Teilung wurde hier ganz konkret: in Gesprächen, Begegnungen, Hilfsbereitschaft und Neuanfängen.
Die Lichtpunkte im Ginkgowäldchen erinnern deshalb nicht nur an eine Zahl. Sie erinnern an einzelne Lebenswege. An Menschen, die den Mut hatten, aufzubrechen. An Menschen vor Ort, die geholfen haben. Und an eine Stadt, die in einem entscheidenden Augenblick der Geschichte Verantwortung übernahm.
Der Ginkgopark als Erinnerungsort
Heute erinnert im Ginkgopark auch ein Segment der Berliner Mauer an diese Zeit. Der Ort trägt damit ein Stück Weltgeschichte in sich. Zwischen Bäumen, Wegen und Grünflächen ist spürbar, dass die Ereignisse von 1989 nicht weit entfernt und abstrakt waren, sondern Vilshofen unmittelbar berührten.
Die Installation „Geteiltes Blatt – Vereint im Licht“ nimmt diesen historischen Resonanzraum auf und übersetzt ihn in eine künstlerische Erfahrung. Das Licht erzählt nicht dokumentarisch, sondern atmosphärisch. Es macht sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: Erinnerung, Hoffnung, Verletzlichkeit, Mut und Verbindung.
Das geteilte Blatt des Ginkgos wird dabei zu einem stillen Zeichen für Deutschland vor und nach 1989. Zwei Hälften, eine Form. Zwei Geschichten, ein gemeinsames Ganzes. Trennung und Verbindung im selben Bild.
Lichtkunst als Brücke zwischen Erinnerung und Gegenwart
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall stellt diese Installation auch Fragen an unsere Gegenwart. Wie gehen wir mit Menschen um, die Schutz suchen? Wie erinnern wir uns an Flucht, Freiheit und Verantwortung? Wie schnell vergessen wir, dass auch Deutsche einst Grenzen überwinden mussten, um ein freies Leben führen zu können?
„Geteiltes Blatt – Vereint im Licht“ ist deshalb nicht nur ein Rückblick. Es ist eine Einladung, Geschichte neu zu betrachten – nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als Erfahrung, die bis heute nachwirkt.
Im Licht der Ginkgobäume begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart. Die funkelnden Punkte erinnern an einzelne Schicksale. Die schwebenden Lichtflächen erzählen von Teilung und Überwindung. Und die Jahreszahl 1989 erscheint wie ein leiser Ruf aus der Geschichte: Freiheit ist niemals selbstverständlich. Sie entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, aufzubrechen – und andere den Mut haben, sie aufzunehmen.
Zwölf Lichtinstallationen – zwölf Monate – zwölf Kapitel einer Stadtgeschichte in Licht
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1. Januar – „Zahlenblume“ auf dem Stadtturm! Eine Projektion der Jubiläumszahlen als bunte, sich drehende Blüte.
2. Februar - „Zeittunnel“ - Die Vils als mystischer Lichtraum.
3. März - „Turm aus Licht und Erinnerung“ - Stadtpfarrkirche St. Johannes derTäufer
4. April - „Historisches Kino“ jeden Abend im April in der Donaugasse
6. Juni - Lasershow - Stadtfest Vilshofen 2026 Am Freitag 12.06.2026 am Stadtplatz