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175 Jahre Fürther Rathaus – „Ein bisschen Florenz in Bayern“

Über die für die Fürther Glanzlichter geplante Lichtinstallation vom 07-08.11.2025.

Lichtkunst von Andreas Juergens – Wo die Schatten leuchten

Das Jubiläum „175 Jahre Fürther Rathaus“ ist nicht nur ein festlicher Anlass, sondern ein Moment, um innezuhalten, zurückzublicken und die Wurzeln städtischer Identität sichtbar zu machen. Die Lichtinstallation greift mit vier aufeinander abgestimmten Teilen zentrale Aspekte der Architektur, der Stadtentwicklung und der Beziehung zwischen Rathaus und Bürgerschaft auf.

Die Lichtkunstinstallation „175 Jahre Fürther Rathaus – Ein bisschen Florenz in Bayern“ arbeitet mit zwei kontrastierenden, sich ergänzenden Gestaltungsebenen:

  • Ein großflächiger, dreidimensionaler Strahlenfächer – das sogenannte Lichtzelt – überspannt die Straße unterhalb/vor des Rathausturms (Teil 1) und erzeugt eine räumlich erfahrbare Lichtarchitektur.
  • Dem gegenüber stehen die hell leuchtenden, präzisen Fassadenprojektionen (Teile 2 bis 4) auf Vorderseite, Nordost- und Südwestseite des Turms, die die Geschichte, Symbolik und Struktur des Gebäudes visuell neu interpretieren.

Teil 1: Das Lichtzelt – Schutz und Fürsorge

Die kraftvollen Strahlenfächer in den Farben der Stadt Weiß und Grün, projiziert von der Turmspitze des Rathauses, spannen ein leuchtendes Zelt aus Licht über die Köpfe der Vorbeigehenden. Dieses Lichtzelt ist Sinnbild der Fürsorge, Wehrhaftigkeit und Verbundenheit, die das Rathaus seinen Bürgerinnen und Bürgern seit 175 Jahren bietet. Aus der Ferne wirkt der Rathausturm mit seinem Lichtfächer wie eine leuchtende Pyramide, die Fürth als moderne, eigenständige Stadt repräsentiert.

Teil 2: Architektur in Bewegung – Eine Hommage an Florenz

In der zweiten Sequenz wandern rein weiße Lichtlinien über die Nordost- und Südwestfassaden des Rathausturms. Langsam tastet sich das Licht an den Formen und Gliederungen entlang, streicht über Gesimse, Fensterachsen und Balustraden, und scannt so die Baukunst visuell ab. Diese Linienbewegung – horizontal, vertikal, sich drehend – zeigt: Dieses Gebäude ist mehr als nur Verwaltungssitz. Es ist Ausdruck eines neuen städtischen Selbstverständnisses im 19. Jahrhundert.

Denn mit dem Bau des Rathauses zwischen 1840 und 1850 zeigte Fürth, damals aufstrebender Industriestandort mit wachsendem Bürgertum, dass es sich auf Augenhöhe mit den großen Städten Bayerns sah. Man wählte ganz bewusst den italienischen Rundbogenstil, der als modern, bürgerlich und weltoffen galt – und orientierte sich mit dem 55 Meter hohen Turm direkt am Palazzo Vecchio in Florenz, dem einstigen Herz republikanischer Stadtkultur. Dieser Baustil symbolisierte nicht nur Schönheit, sondern auch Würde, Verantwortung und Tradition. Die Lichtlinien erzählen genau das: eine Stadt, die sich emanzipiert, sich sichtbar macht – und Europa als Vorbild wählt.


Teil 3: Lichtpunkte und Tropfen – Verwaltung in Bewegung

In dieser Sequenz entstehen leuchtende Punkte scheinbar aus dem Nichts an der Turmspitze. Sie springen nach oben, fallen dann wie Wassertropfen herab, prallen ab, verschwinden – und neue erscheinen. So entsteht ein kontinuierlich fließender Strom aus Licht, ein bildhafter Wasserfall aus Gedanken, Anträgen, Ideen, Sorgen und Gesprächen. Diese Tropfen stehen für das tägliche, meist unsichtbare Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Bürgerschaft – für das, was hinter der Fassade geschieht: das stetige Ringen um Lösungen, für das Zuhören, Bearbeiten und Umsetzen.

Teil 4: Die 175 – Zeit als fließende Form

Die Zahl „175“ erscheint immer wieder zwischen den Sequenzen. Sie wächst organisch aus den vorherigen Lichtformen heraus – aus Linien, Tropfen, Mustern – und löst sich danach wieder in die nächste Bewegung auf. Kein harter Schnitt, sondern eine Verwandlung in Licht: Die Stadt Fürth als ein Ort, der Geschichte nicht nur trägt, sondern aus ihr heraus in die Zukunft strahlt.

Mehr über mich als Künstler finden Sie hier: Lichtkünstler Andreas Juergens.

175 Jahre Fürther Rathaus – „Ein bisschen Florenz in Bayern“
175 Jahre Fürther Rathaus – „Ein bisschen Florenz in Bayern“

Fürther Glanzlichter 2025

Ich setze die Stadtfarben in einem schwebenden Lichtfächer als Zeichen von Identität und Stolz.
Weiß und Grün – die Farben Fürths als strahlende Lichtkomposition.

 

 

Das Fürther Rathaus – Geschichte, Bürgerstolz und Inspiration für Lichtkunst

Das Fürther Rathaus ist das stolze Wahrzeichen der Stadt Fürth und steht seit seiner Fertigstellung im Jahr 1850 für Aufbruch, Selbstbewusstsein und architektonische Eleganz. Mit seinem markanten Turm, inspiriert vom Palazzo Vecchio in Florenz, ist es bis heute ein Symbol für die kulturelle und urbane Entwicklung der aufstrebenden Industriestadt.

Bau und Bürgerstolz

Vor dem Bau des Rathauses musste sich Fürth mit provisorischen Amtshäusern und Versammlungsorten begnügen – die Stadt durfte sich lange Zeit nicht selbst verwalten. Erst mit dem Status „Stadt erster Klasse“ (1818) begann der Weg zu einem eigenen Regierungsgebäude. Der Bau von 1840 bis 1850 war langwierig und kostspielig: Mit 220.000 Gulden überstieg er bei weitem das übliche Maß. Noch heute sprechen die Fürther Bürger gerne augenzwinkernd vom „prachtvollen Kostenberg“.

Anekdoten und Kurioses

Zur feierlichen Einweihung gab es zwei ungewöhnliche Momente: Weder 1844 noch 1850 wurde ein großes Fest gefeiert. Stattdessen erklangen in der Silvesternacht erstmals die neuen Glocken des Rathausturms – mit einem Zitat aus Schillers „Glocke“. Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese historischen Glocken eingeschmolzen und gingen für immer verloren.

Eine weitere Kuriosität macht das Rathaus einzigartig in Franken: Hier kann man den „Amtsschimmel“ tatsächlich bestaunen – nicht als sprichwörtliches Büroklischee, sondern als Skulptur im Gebäude selbst.

Vom Symbol der Stadtgeschichte zur Inspiration für Lichtkunst

Der Bau des Rathauses markiert den Wandel vom Zeitalter der Dreiherrschaft zur städtischen Selbstbestimmung. Marmor, Kassettendecken und die festliche Turmbeleuchtung zeigen den Stolz einer Stadt, die ihr Selbstbewusstsein neu entdeckte. Seit 2007 erklingt zudem täglich um 12:04 Uhr das Glockenspiel „Stairway to Heaven“ – ein moderner Akzent an einem historischen Ort.

Passend zum Jubiläum „175 Jahre Fürther Rathaus“ verbindet die aktuelle Lichtkunstinstallation von mir Vergangenheit und Gegenwart. Mit Licht, Raum und Projektionen wird die Geschichte des Rathauses poetisch neu interpretiert – und macht sichtbar, was Fürth seit Jahrhunderten prägt: Mut, Eigenwilligkeit und Herz.

Impressionen

Hier gibt es die ersten Bilder vom Aufbau und dann vom ersten Abend sobald diese ab dem 06.11.2025 verfügbar sind.

Aufbau Glanzlichter 2025, Einrichten auf dem Dach des Fürther Rathauses zum Sonnenuntergang.
Aufbau Glanzlichter 2025, Einrichten auf dem Dach des Fürther Rathauses zum Sonnenuntergang.
Aufbau Glanzlichter 2025
Aufbau Glanzlichter 2025
Ich zeichne mit Lichtlinien die Architektur des Rathauses nach und mache die historischen Formen lebendig.
Wandernde Lichtlinien scannen die Fassade – eine poetische Hommage an die Baukunst.
Ich forme die Zahl „175“ aus Licht und lasse sie wieder in den Fluss der Zeit zurückkehren.
Die „175“ erscheint und vergeht – Erinnerung als lebendige Bewegung.
Ich erschaffe ein Lichtzelt über der Königstraße, das Schutz, Weite und Verbundenheit sichtbar macht.
Lichtzelt über der Königstraße – ein schwebender Raum aus Licht über Fürth.
Ich lasse den Rathausturm zu einer leuchtenden Pyramide werden, inspiriert von Florenz und Fürths Geschichte.
Der Rathausturm als leuchtende Pyramide – Architektur neu erlebt.